25.09.2015

Stellungnahme Flüchtlingskinder

Die GLEV fordert vom Bildungsministerium weitergehende Anstrengungen im Zusammenhang mit der Beschulung von Flüchtlingskindern und Jugendlichen. Die Bereitstellung von 25 zusätzlichen Lehrerstellen, wie sie im Juni angekündigt wurden, ist aus Sicht der Eltern nicht mehr ausreichend. In den letzten Wochen ist die Zahl der Flüchtlings-Kinder und -Jugendlichen in einem nicht vorhersehbaren Maße gestiegen, sodass die ursprünglich geplanten Maßnahmen nicht mehr genügen.

Die Kinder, die über keine Schulerfahrung  verfügen, brauchen Eingewöhnungstrainings. Hier sind neben Lehrkräften, die die ersten Grundlagen von Deutsch legen, auch Sozialarbeiter und Erzieher gefordert.  Ihre Aufgabe muss es sein,  eine Beschulbarkeit der jungen Menschen zu erreichen.

Diese Aufgaben müssen auch von psychologisch ausgebildetem Personal mit unterstützt werden. Zum Einen brauchen die Kinder, die durch die Vorkommnisse in ihrer Heimat und der Flucht traumatisiert sind, besondere Hilfe. Dies kann nicht nur in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden, den Kindern soll ein schnellstmöglicher Zugang zu „normalem“ Leben gegeben werden. Zum anderen müssen die Mitschüler in dieser für sie neuen Situation aufgefangen und begleitet werden. Vor allem jüngere Kinder sind u.U. überfordert und benötigen Erklärungen und fachpraktische Unterstützung. Aber auch den SchülerInnen der Sekundarstufen ist nicht ohne Weiteres zuzumuten, mit den veränderten Begebenheiten umzugehen.

Für eine erfolgreiche Integration der SchülerInnen ist es zwingend notwendig die Sprachbarrieren zu durchbrechen. Dafür müssen ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden. Neben erfahrenen Lehrern in Deutsch als Zweitsprache für die Kinder und Jugendlichen, müssen auch die Eltern Sprachkurse besuchen, um ihre Kinder im Schulalltag begleiten zu können.

Die Einrichtung von Willkommensklassen an Schulen macht aus unserer Sicht keinen Sinn.  Die Kinder müssen schnell über einen Mindestwortschatz verfügen, der es ihnen ermöglicht, mit den Klassenkameraden in der „Verkehrssprache“ Deutsch zu kommunizieren und mit den deutschen Mitschülern so in Interaktion zu treten, dass ein Lernfortschritt durch eben diese Peergroup von statten gehen kann.

An den Schulen soll für die Schulgemeinschaft eine Informationsveranstaltung stattfinden, in der sie über kulturelle und historische Besonderheiten der Ankömmlinge unterrichtet werden. Als weitere Maßnahme einer gelingenden Integration ist den Schulgremien eine Liste mit Dolmetschern zur Verfügung zu stellen.  Damit eine Einbeziehung der Kinder (mit oder ohne Eltern) die Chance auf Gelingen hat, muss Transparenz, Information und eine Ausstattung an genügend finanziellen Mitteln vorhanden sein, z. B. um auch ein Fest ausrichten zu können. Menschen fürchten sich vor Unbekanntem und beobachten argwöhnisch, was sie nicht kennen. Kommt dann noch die Angst dazu, dass Zuwendungen beschnitten oder gar ganz gestrichen werden, ist das für ein Klima der Offenheit nicht förderlich.

Für Jugendliche, die hier eine berufliche Ausbildung anstreben, muss eine Sicherheit bestehen, dass sie diese auch in Deutschland beenden können. Dazu brauchen sie die Garantie, dass sie während der Ausbildungszeit nicht des Landes verwiesen werden. Das Argument, hier eine fundierte Ausbildung abzuschöpfen um dann nach ihrer Heimkehr in ihrem Heimatland davon zu profitieren, kann nur als engstirnig, unsozial und nicht global denkend empfunden und bewertet werden. Das saarländische Bildungssystem ist für die ihm anvertrauten jungen Menschen verantwortlich.

Diese neuen Gegebenheiten stellen die Schulgemeinschaften vor Herausforderungen, die nicht vollumfänglich zu übersehen sind. Die Elternvertretung fordert vom Minister, flexibel, schnell  und unbürokratisch auf die von Schulen vorgetragenen Anfragen auf Unterstützung und Hilfe zu reagieren.


 

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